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Ich male, also bin ich.

Young-Sik Lee

Der Maler Anselm Kiefer sagte einmal, daß jede Pflanze mit einem Stern verbunden sei und er glaubt, dass es auch für jeden Menschen eine Verbindung zu einem Stern gibt. Er erzählte auch, dass er eine besondere Beziehung zu Neapel hatte. An einem Silvesterabend in Neapel hat er ein Schauspiel des Feuerwerks gesehen. Er sagte, im Spanischen Viertel in Neapel, dem ärmsten Viertel, hat es am meisten geknallt. Was wollte er damit sagen? Wenn man arm ist, träumt man mehr? Ist dieses Feuerwerk vielleicht eine Fackel der Einsamkeit?

Warum malt man? Das ist eine interessante Frage. Mindestens weiß ich eins. Bilder zu malen ist eine Sisyphosarbeit. Sisyphos, der hartnäckige Arbeiter. Sein Fluch steht im 11.Gesang Odyssee von Homer. Seine Strafe lautet, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Kurz bevor er das Ende des Hangs erreichte, entglitt ihm der Stein, und er muss wieder von vorne anfangen.

Ob Bilder wirklich den Menschen Trost und Heilung spenden können, kann ich leider nicht bejahen. Aber ich glaube an die Macht der Bilder.

Ich bin ein Enthusiast von Francis Bacon und Walton Ford. Francis Bacon war der Maler des aufgerissenen Fleisches und der zerfetzten Körper. Seine Bilder hat er fast in vergoldete Rahmen gehängt, z.B. Halle Nr. 26 im Londoner Tate Briten. Die Intensität und Radikalität seiner Bilder mit bizarren, komischen, brutalen Details führten mich zum lebensentscheidenden Schock.–Die Ästhetik des Schreckens. Die Bilder von dem Maler Walton Ford auch, z.B. seine Ausstellung 2010 im Berliner Hamburger Bahnhof. Seine überwiegend grossformatigen Werke von Vögeln, Vierbeinen, Reptillien und anderen Tieren mit gesellschaftlichen Gleichnissen und schwarzen Satiren, die von dem amerikanischen Ornithologen und Tierzeichner John James Audubon inspiriert wurden. Seine Passion zum malen und seine technische Perfektion ist mir überwältigend.

Nach dem zweiten Studium für Kommunikationsdesign habe ich versucht, wieder tüchtig Bilder zu malen. Ich kann mein Thema mit gegenständlicher Malerei besser ausdrücken als mit ungegenständlicher Malerei.

Mein Atelier befindet sich in der 3. Etage einer ehemaligen Berliner Kindl Brauerei, mit einem geizigen Seitenfenster und einem ziemlich veralteten Polstersessel. Engen Eisentreppen nach oben. Der Weg zu meinem Atelier führt durch eine lebensfröhliche heitere Strasse im Berliner Neukölln. Ich nenne mein Atelier das Reich des Betrachters. Ein Maler bedeutet mir Akteur, Beobachter, Täter, Opfer und gleichzeitig Zuschauer in einem.

Draußen vor meinem Atelier lebt man wie auf der Insel Lotophagen. Die Leute genießen das Leben unter dem berauschenden Einfluss der Lotusfrüchte. Wenn man Lotus isst, vergisst man seine Verzweiflung, sein Scheitern und sein Lebensziel. Deshalb definierte der Verleger Michel Krüger, dass wir in einer Kitschepoche leben, weil wir seit 65Jahren in Friedenszeiten leben. Er meinte, dass in langen Friedenszeiten die Probleme ganz klein geworden sind, nämlich Überlebenskampf oder Lebendorganisationsprobleme. Diese Entlastung werde gefüllt durch Kitsch. Ist Glücksgefühl zum Leben wirklich kitschig?

Seit September 2009 arbeite ich gerade an zwei Geschichten. Zunächst: 10 Bilder behandeln das gleiche Thema. Das Vakuum und die Leere des Daseins. Auf den großformatigen Bildern existiert eine Protagonistin stehend, sitzend, schweigend, ahnungslos hoffend. Die Bilder mit den schweigend verharrenden Figuren in Mitten des Augenblicks. Die Gesten der Unschuld. Das Verbindung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos, Augenblick und Ewigkeit wollte ich beschreiben. Ich wollte dokumentarische Stimmung des Augenblicks verleihen, aber gleichzeitig eine malerische Präsenz. Und 3 andere Bilder: Eine Chronik eines Requiems der Tiere. Diese Motive wurden von Walton Ford inspiriert.

Wenn ich anfange zu malen, dann wird die Unsichtbare sichtbar. Figuren verwandeln sich, ich freue mich und warte auf die Metamorphosen der Inspiration und Botschaft. Ein Maler muss hohe Qualität liefern und für Fehler gibt es keine Entschuldigung in der Kunst. Hier ist nur die Perfektion das höchst Gut. Das ist das Schicksal und der Glanz der Kunst. Letztendlich geht es bei Kunst nur um den Kern, um Arbeit und Konzentration. Nach Anselm Kiefer ist jedes Bild mit einer Seele verbunden!